Jang-Yun Jeong

Was am designen macht dich glücklich?

Ich denke, bei mir ist es anders als bei vielen anderen Designern. Ich verspüre unheimliches Glück, wenn die Kleidung, die ich designe, am Ende etwas anders wird als anfänglich geplant. Es begeistert mich einfach, das wunderschöne Ergebnis zu sehen, das ich zu Beginn nicht visualisieren konnte. Deshalb muss ich mich auch immer wieder in Bescheidenheit üben.

Wo hast du Fashion-Design gelernt?

Diese Frage ist für mich sehr schwer zu beantworten. Journalisten, Supporter und andere Menschen aus dem Fashion-Bereich glauben oft, ich hätte an einer bekannten europäischen Modeschule studiert. Ich habe zunächst Industriedesign in Korea studiert und abgebrochen, um meiner wahren Leidenschaft zu folgen; Ich studierte an einer Modeakademie in Seoul. Jedoch sind die Studiengebühren unglaublich hoch und ich konnte nur zu der Schule mit den niedrigsten Studiengebühren, da ich mir keine teureren leisten konnte. Mein Weg war sehr steinig und das Universum hat mich oft auf die Probe gestellt. Um zu üben und um an Stoffe zu kommen, musste ich anfangs Kleidung aus Teilen machen, die andere Designer weggeschmissen hatten. Ich habe mich aber nicht aufhalten lassen und lebe meinen Traum.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Kollektionen?

Es kommt ganz darauf an. Ich bin sehr an Animation und Film interessiert. Philosophische Filme inspirieren mich ganz besonders. Künstler aus den verschiedensten Gebieten sind die Quellen meiner Inspiration. Vor kurzem habe ich Joseph Beuys entdeckt. Seine Werke sind äußerst komplex und beinhalten seine eigene Philosophie; ein enormes Bewusstsein gegenüber der Gesellschaft. Diese Eigenschaft bewundere ich.
Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, an Dingen in unserem Umfeld und im Alltag interessiert zu sein und interessiert zu bleiben. Auch wenn der Prozess schwierig ist, sollten wir nie aufhören Dinge zu beobachten, wie das Moos auf dem Stein und das zusammengeknüllte Papier auf dem Schreibtisch. Diesen kleinen Dingen Bedeutung geben… Das ist es, was Designer tun sollten.

Seit wann entwirfst du Bekleidung?

Mit 20 Jahren habe ich angefangen Modedesign zu studieren, zwei Jahre später arbeitete ich in einem Fashion-Label und mit 29 Jahren habe ich angefangen, meine eigens entworfene Bekleidung zu verkaufen.

Wie würdest du deine Passionen und Interessen beschreiben?

Meine Passion ist es, mich selbst immer wieder herauszufordern. Mein Modestil ist Avantgarde und dieser ist nicht für die breite Masse geeignet, die Produktion ist sehr aufwendig. Aber ich liebe es genau so und bleibe deshalb bei meinen Designs. Das ist die Herausforderung und gleichzeitig das Abenteuer für mich. Wenn ich etwas mit Leidenschaft tue und das den Menschen Freude bereitet, erfüllt es mich selbst mit Freude. Das motiviert mich immer weiter und deshalb kann ich niemals aufgeben.

Wie denkst du über die Welt?

Vor einigen Jahren, als ich noch studiert habe, brachten viele Designer experimentelle Kollektionen heraus, die sehr kreativ waren und ihre Philosophie widerspiegelten. Jedoch ändert sich die Industrie sehr schnell und die Kreativität rückt oft in den Hintergrund um die Nachfrage am Markt zu bedienen. Hinzu kommt, dass Designer auch profitabel sein müssen, was das Designen noch härter macht. Manche investieren mehr Zeit und Anstrengung ins Marketing ihrer Kleidung als in das Design selbst und das macht mich sehr traurig.

Was hältst du von der Fashion-Industrie?

Ich muss eigentlich eine Flasche Soju getrunken haben und betrunken sein, um darüber zu sprechen, aber ich tue es trotzdem.
Diese Frage geht mir durch den Kopf seit ich ein Kind bin, jedoch konnte ich nie die richtige Antwort darauf finden. Vielleicht bleibt mir die Antwort auf diese Frage bis zu meinem Tod verwehrt. Woran ich stark glaube ist, dass das Universum, die Welt, und alles, was sich darin befindet, auf eine sehr komplexe Art miteinander verknüpft sind. Menschen, Tiere und die Natur beeinflussen sich gegenseitig in einer Weise, die wir nicht erfassen können. Es ist also nichts trivial auf dieser Welt. Dennoch urteilen wir häufig zu schnell über den Wert von Dingen und legen uns damit eine Welt zurecht, die so vielleicht nicht der Realität entspricht. Das Leben ist es wert, reflektiert zu sein.